Diverse Personen gaben beim Notruf 112 an, dass es zahlreiche Verletzte am Gymasium Schongau gäbe. Daher alarmierte die Integrierte Leitstelle Oberland einen sogenannten „Massenanfall von Verletzten“. Gemeldet wurden zunächst mehrere Schwerverletzte. Da sich auf dem weitläufigen Schulgelände neben dem Gymnasium auch eine Mittelschule und eine Grundschule befinden, mussten die Einsatzkräfte zu Beginn von einer unübersichtlichen und potenziell sehr dynamischen Lage mit einer Vielzahl betroffener Kinder und Jugendlicher ausgehen.
„Das war ein Einsatz, bei dem man auch als langjährig erfahrene Einsatzkraft zunächst schlucken muss und sich denkt: Bitte nicht!“, sagt Michael Limbrunner, der als Organisatorischer Leiter den Einsatz koordinierte. „Wenn eine solche Alarmmeldung eingeht, dann zählt jede Minute, aber gleichzeitig auch der Schutz unserer Einsatzkräfte. Unsere Einsatzkräfte waren sehr schnell mit sehr vielen Kräften vor Ort. Dass am Ende nicht noch mehr Menschen verletzt wurden, ist mit Blick auf die ersten Meldungen ein großes Glück.“
Zwei 13-jährige Schülerinnen wurden schwer verletzt, befanden sich aber jederzeit außer Lebensgefahr. Beide wurden zur weiteren Behandlung in Krankenhäuser gebracht. Eine der Patientinnen wurde luftgebunden mit einem Rettungshubschrauber, die zweite bodengebunden mit einem Rettungswagen transportiert.
Die Alarmierung und der weitere Einsatzverlauf funktionierten aus Sicht des Bayerischen Roten Kreuzes sehr geordnet. In enger Abstimmung mit der Integrierten Leitstelle wurden rasch zahlreiche Rettungsdienst-, Sanitäts- und Betreuungs- sowie Führungskräfte an die Einsatzstelle entsandt. Vor Ort wurden frühzeitig verschiedene Einsatzabschnitte gebildet, um die medizinische Versorgung, die Betreuung von Schülerinnen und Schülern, die Unterstützung der Eltern sowie die Abstimmung mit Polizei und Feuerwehr strukturiert abarbeiten zu können.
Besonders herausfordernd war die Lage, weil über längere Zeit unklar blieb, wie viele Schülerinnen und Schüler sich noch in den Gebäuden befanden und ob weitere Verletzte zu versorgen waren. Viele Kinder und Lehrkräfte hatten sich richtigerweise in Klassenräumen verbarrikadiert und konnten erst im weiteren Verlauf unter Begleitung der Polizei aus den Gebäuden geführt werden. Parallel standen zahlreiche Einsatzkräfte der Psychosozialen Notfallversorgung bereit, um betroffene Kinder, Jugendliche, Lehrkräfte und Angehörige aufzufangen.
Auch viele Eltern machten sich unmittelbar nach Bekanntwerden der Lage auf den Weg zur Schule. Sie wurden zum naheliegenden Feuerwehrhaus umgeleitet und dort durch Einsatzkräfte betreut. „In solchen Momenten geht es nicht nur um die medizinische Versorgung der körperlich Verletzten“, so Limbrunner weiter. „Es geht auch um Angst, Ungewissheit und die Frage, wie man Kinder, Eltern und Lehrkräfte in einer extrem belastenden Situation stabilisiert. Genau dafür ist die Psychosoziale Notfallversorgung unverzichtbar.“
Dass sich zum Zeitpunkt der Tat nicht mehr alle Schülerinnen und Schüler auf dem Gelände befanden, war nach Einschätzung der Einsatzkräfte Glück im Unglück. Der Unterricht hatte für große Teile der Schülerschaft bereits gegen 12:55 Uhr geendet. Dennoch blieb die Lage aufgrund der Größe des Schulgeländes und der zunächst unklaren Informationen lange angespannt.

