Vor diesem Hintergrund fordern das Bayerische Rote Kreuz (BRK) und die Malteser in Bayern, den Zivilschutz konsequent weiterzuentwickeln – mit dem Ziel, die Bevölkerung besser zu schützen und die Handlungsfähigkeit des Zivil- und Katastrophenschutzes langfristig zu sichern.
„Vorsorge ist keine Frage von Angst, sondern von Verantwortung“, sagt Robert Augustin, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes. „Wir müssen Menschen befähigen, in Krisen ruhig und handlungsfähig zu bleiben – das schafft notwendige Stabilität und die Grundlage, damit Einsatzkräfte überhaupt tätig werden können.“
Eine widerstandsfähige Gesellschaft entsteht vor allem dann, wenn Menschen grundlegende Fähigkeiten zur Selbst- und Nachbarschaftshilfe kennen und anwenden können. Genau diese Kompetenzen seien in den letzten Jahrzehnten verloren gegangen – mit der Folge, dass Krisensituationen schneller zu Überlastungen führen können.
In einer größeren Krisenlage kann professionelle Hilfe nicht alle Bedarfe sofort abdecken. Umso wichtiger ist es, dass Bürgerinnen und Bürger selbst handlungsfähig bleiben – etwa durch grundlegende Vorbereitung im Haushalt oder organisierte Unterstützungsstrukturen vor Ort. Dies stabilisiert gesellschaftliche Strukturen und entlastet Einsatzorganisationen gezielt dort, wo professionelle Hilfe am dringendsten benötigt wird.
„Wer vorbereitet ist, bleibt handlungsfähig – und nimmt damit Druck aus der Lage. Genau das ist moderne Krisenvorsorge“, betont Christoph Friedrich, Landesgeschäftsführer des Malteser Hilfsdienstes Bayern. „Wir brauchen mehr Wissen in der Breite: Selbstschutz, Erste Hilfe und geordnete Nachbarschaftshilfe gehören dazu.“
Eine zentrale Herausforderung: Der notwendige Qualifizierungsprozess ist nicht kurzfristig umsetzbar. Kapazitäten und Strukturen müssen schrittweise aufgebaut werden. Damit dies gelingt, braucht es eine enge Zusammenarbeit verschiedener Akteure – neben Hilfsorganisationen etwa Feuerwehren, THW, Bundeswehr sowie kommunale und zivilgesellschaftliche Strukturen, wie beispielsweise Schulen oder Bildungszentren.
Ohne zusätzliche hauptamtliche Kapazitäten innerhalb der Hilfsorganisationen und ohne finanzielle Unterstützung durch Staat und Politik lassen sich flächendeckende Programme nicht in der erforderlichen Geschwindigkeit und notwendigen Tiefe realisieren.
Das Hilfeleistungssystem in Bayern basiert in wesentlichen Teilen auf einem stabilen Fundament ehrenamtlichen Engagements.
„Unser Bevölkerungsschutz funktioniert, weil Hunderttausende Ehrenamtliche Verantwortung übernehmen – dieses Fundament dürfen wir nicht als selbstverständlich betrachten“, erklärt Robert Augustin. „Damit das Ehrenamt leistungsfähig bleibt, brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen – und Arbeitgeber, die Freistellungen für Einsätze, aber auch Ausbildung mittragen.“
BRK und Malteser warnen zudem vor den Folgen gezielter Desinformation. Sie könne gesellschaftliche Spaltung verstärken, die Akzeptanz notwendiger Vorsorge schwächen und koordinierte Krisenbewältigung erheblich erschweren. Verlässliche, verständliche und fortlaufende Information sei daher ein zentrales Element moderner Krisenprävention.
BRK und Malteser setzen sich mit der Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsschutz, dem Verbund aller bayerischen Hilfsorganisationen, dafür ein, Zivilschutz und Krisenvorsorge als langfristige Aufgabe zu begreifen: mit realistischen Erwartungen, klaren Verantwortlichkeiten und Investitionen in Ausbildung, Strukturen und gesellschaftliche Resilienz. Denn je besser eine Gesellschaft vorbereitet ist, desto stabiler bleibt sie – auch in herausfordernden Zeiten. „Dafür ist es aber erforderlich, dass auf allen politisch verantwortlichen Ebenen – von der Kommune bis zum Europäischen Parlament – Bewegung in die Thematik kommt“, sind sich beide Landesgeschäftsführer, Robert Augustin und Christoph Friedrich, einig.

